09.11.2015 // LogBook Serbistan

logbook_serbistan

Ein Dokumentarfilm über Flüchtlinge, die über die sogenannte „West-Balkan-Route“ versuchen, nach Westeuropa zu gelangen.

Serbien 2015. 94 min. OmeU
R: Želimir Žilnik

WANN: Montag, 09.11.2015 um 18 Uhr
WO: Werkstattkino, Frauenhoferstraße 9, München

In Anwesenheit des Regisseurs.

Am Montag, den 9. November präsentiert Želimir Žilnik seinen neuen, hoch-aktuellen Film auf Einladung von balkanet e.V. um 18 Uhr im Werkstattkino (Frauenhoferstr. 9, München). Nach der Projektion des Filmes gibt es die Gelegenheit für ein Gespräch zwischen Regisseur und Publikum.

https://www.facebook.com/events/762814290531215/
Nach der Jahrhundertflut, die Serbien im Jahr 2014 erlebte, stehen inmitten der Aufräumarbeiten zwei afrikanische Migranten. Lee aus Ghana erzählt wie er Menschen aus dem Wasser rettete. Sie packen dann selbst an und helfen, die Verwüstungen der Flut zu beseitigen. Der Film begleitet die beiden jungen Männer und junge Familien auf ihrem Weg durch Serbien. Sie haben bereits einen weit gefährlicheren Weg hinter sich und es über Griechenland, Makedonien oder Bulgarien nach Serbien geschafft. Ihr eigentliches Ziel sind aber Länder wie Deutschland, Schweden oder Norwegen.
Auch Flüchtlinge aus Syrien stehen vor serbischen Asylbewerberlagern Schlange, um nicht wieder im Wald übernachten zu müssen. Sie kommen teilweise aus Ungarn, wo sie im Gefängnis darauf warten mussten, nach Serbien ausgewiesen zu werden. Auch sie werden sich erneut auf den Weg zur EU-Grenze machen. Denn kaum jemand, mit Ausnahme des palästinensischen Übersetzers, will in Serbien bleiben. Das weiß auch der Chef des Asylzentrums, wenn er die Migranten im harschen Ton nach Papieren, ihrer Herkunft und ihrem Ziel fragt.
Es sind aber die Migranten, die die eigentlichen Fragen stellen: warum sehen die Straßen in Serbien aus wie in Afrika? Wie kommt man am schnellsten und billigsten nach Belgrad und dann weiter zur Grenze? Wer ist verantwortlich für die Armut in Afrika? Wer für Krieg und Migration? Wie kann man in Freiheit leben? Und auch, welches europäische Land für Migranten am besten ist. Im Gespräch mit ehemaligen Gastarbeitern, Flüchtlingen aus Bosnien und in entsiedelten Dörfern verflechtet der Film die serbische Migrationserfahrung mit den Geschichten der heutigen Migranten, die ebenfalls vor Armut und Krieg aus den Ländern Nordafrikas und des Nahen Ostens fliehen. Denn Serben und Migranten begegnen sich nicht nur im Lager, sondern auch auf der Straße, in Dörfern, tanzend bei Festen und beim Fußballspiel. Kurz vor der Grenze nach Ungarn ist es erneut der Ghanaer Lee, der in einer berührenden Szene einem afghanischen Flüchtling die wunden Füße versorgt und ihm Mut zuspricht, nicht aufzugeben.

Der Regisseur Želimir Žilnik gilt heute bereits als Altmeister des jugoslawischen und serbischen gesellschaftskritischen Films, der mit seinem Werk das Genre des Doku-Dramas wesentlich prägte. Mit LogBook Serbistan fing er kurz vor den dramatischen Entwicklungen der Flüchtlingswelle, wie wir sie zur Zeit auf der sog. Balkanroute erleben, die prekäre Lage der Menschenrechte in Europa sowie global ein. Zugleich gibt der Film, in dem die Migranten ihre eigene Geschichte schaffen, den Menschen auf dem Weg nach Europa ein Gesicht. Die Protagonisten sind darin aber nicht einfach Opfer von Krieg und Armut. Sie machen deutlich, dass ihre Entscheidung für ein besseres Leben oder ein Leben in Sicherheit von Überzeugungen und Werten geprägt wird. Žilnik gibt den Migranten mit dem Doku-Drama ein Medium an die Hand, nicht nur ihren individuellen Weg nach Europa zu erzählen, sondern auch ihre reflexive Auseinandersetzung mit der neuen Umgebung und ihren Menschen öffentlich zu machen.
LogBook Serbistan wurde auf den Dokumentarfilmfestivals in Belgrad und Skopje sowie auf dem GoEast Festival in Wiesbaden ausgezeichnet.

http://logbook-serbistan.net/
http://dokufest.com/2015/movie/logbook-serbistan/

Veranstalter: balkanet e.V. München und Werkstattkino
In Kooperation mit der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropa (München/Regensburg)
Gefördert vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München

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